Malte Kraus (Abi 2006) schreibt aus Südafrika (September 2006)


Hier bin ich also endlich mehr oder weniger in meinem Projekt angekommen und kann euch etwas mehr Informationen zukommen lassen.

Ich arbeite hier fuer 12 Monate (FSJ) in einem Strassenkindershelter in Pinetown, Naehe Durban an der Ostkueste Suedafrikas. In einem grossen Haus (shelter) wohnen zur Zeit 24 Kinder, die aus vielerlei Gruenden, etwa Armut, AIDSverwaisung, haeusliche Gewalt usw, nicht Zuhause wohnen koennen. Versucht wird die Kinder wieder in ihre ehemalige community einzubinden, sodass nach hoechstens einem Jahr jedes Kind das shelter wieder verlassen kann. Hier wird also versucht ihnen Mahlzeiten, schulischer Unterricht, sanitaere Anlagen und ein Dach ueber dem Kopf anzubieten. Wie bei fast allen Sozialprojekten sind die finanziellen Mittel dafuer knapp bis kaum vorhanden. Die Versorgung mit Essen haengt von sogenannten food donations ab, welche aus abgelaufenen oder zum Teil bereits schlechten Nahrungsmitteln besteht, die sanitaeren Anlagen sind, zumindest die Toiletten, in schlechtem Zustand, die Duschen gehen eigentlich.

Das shelter ist in 3 Phasen, bzw Schlafzimmer aufgeteilt, je nach Dauer des Aufenthalts und Benehmen in der Zeit. Im Zimmer der Phase eins sind nur Feldbetten vorzufinden. Phase zwei unterscheidet sich eigentlich nur durch buntere Bettwaesche und den ein oder anderen Nachttisch. In Phase 3 ist mehr Platz, Poster haengen an der Wand und ein Bett in diesem Zimmer wird schon als Luxus angesehen, den Bewohnern dieser Phase steht auch sowas wie Privatbesitz zu, also alles was sie so finden koennen.

Auf dem Gelaende befindet sich ausserdem noch ein anderes, kleineres Gebaeude mit einer kleinen Schreinerei und einem Raum zum Backen. Eine kleine, anscheinend ueber hundert Jahre alte Kapelle und ein Fussballplatz (Acker mit zwei Holztoren) sind ausserdem noch auf dem Gelaende. So bald wie moeglich werde ich versuchen euch auch Bilder zu schicken. Aber bisher hab ich es vermieden meinen (unseren) Reichtum allzu offensichtlich zur Schau zu stellen.

Ja was bleibt noch zu erzaehlen? Ich habe mir vorgenommen in den ersten Monaten ruhig zu sein und die Ablaufe erst kennenzulernen, kein West-knows-best wie meine Organisation mir gelehrt hat!:) Ist auf jeden Fall auch richtig so, hier laeuft alles einfach ein bisschen anders und erst mit der Zeit wird sich zeigen, wie wir uns hier hilfreich einbringen koennen. Auf jeden Fall will ich eine Menge Sport mit den Jungs machen, zum einen macht sie das muede und Energie um Scheisse zu bauen (entschuldigung) fehlt dann hoffentlich und zum andern ist Sport einfach ein toller Weg um Sprachbarrieren zu ueberwinden und Vertrauen aufzubauen. Sprachbarrieren deshalb, weil hier in KwaZulu-Natal vorwiegend Zulu gesprochen wird, Englisch nur von den Angestellten und vereinzelt mehr oder weniger gut von den Kids.

Auch in schulischer Sicht will ich ihnen irgendwie helfen. Vor ein paar Tagen hat mich ein Junge gefragt, ob ich ihm Englisch beibringen koennte, sie haben hier zwar 2 mal die Woche Englisch, aber haben doch noch sehr grosse Schwierigkeiten beim Schreiben der Woerter. Ich will ihnen regelmaessig Mathe und Englischunterricht geben, aber wie genau wird sich zeigen ...eine Brieffreundschaft der etwas aelteren Jungs hier (sprechen mehr oder ueberhaupt Englisch) mit einer Klasse aus Deutschland waere vielleicht eine tolle Sache, aber wie gesagt, man wird sehn...

Ueberhaupt waere es super eine Partnerschaft irgendeiner Art zu schliessen. Eine wirklich tolle Sache waere vielleicht eine Spende des Kepler Gymnasiums an alten Englisch Buechern! Also Textbuecher mit niedrigem Level, weil zum Englisch lernen muss unbedingt gelesen werden, und dann mehrere Ausgaben zu haben, dass jeder einen Text vor sich hat waere absolut klasse!

Eine Art Partnerklasse oder Stufe, wo ich nach meiner Rueckkehr eventuell Vortraege oder Diashows machen kann um an etwas Geld fuer die Projektarbeit vor Ort zu kommen waere vielleicht auch etwas ... Wenn ihr auch unabhaengig von mir Kontakt zur Projektleitung wollt, schaut doch einfach mal auf der Internetseite des Projekts nach: www.street-wise.co.za ! Da ist auch die Philosophie ausfuehrlicher erklaert.
Also das mal fuer den Anfang ... ! Ich kann hoffentlich jeden Mittwoch im Internetcafe online sein um den Kontakt zur Aussenwelt nicht komplett zu verlieren!:)

Anbei ein Foto des shelters!:)


Viele Gruesse nach Deutschland und ans Kepler!

MALTE