China-Besuch 2005


Am Kepler-Gymnasium Pforzheim findet dieses Jahr erstmalig ein China-Austausch statt, bei dem Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassenstufen teilnehmen und einen einwöchigen Aufenthalt in einer chinesischen Gastfamilie genießen dürfen. Während dieser Woche ist nicht nur ein Unterrichtsbesuch geplant, sondern auch Ausflüge mit den chinesischen Familien. In der zweiten Aufenthaltswoche wird die Gruppe eine Rundreise an die Chinesische Mauer, nach Peking sowie nach Shanghai unternehmen. Während dieser Zeit sind die Schülerinnen und Schüler in Hotels und komfortablen Jugendherbergen untergebracht.

Eigens für die Chinareise ist ein Schülerchor, der sogenannte Chinachor ins Leben gerufen worden, um der chinesischen Partnerschule auch musikalisch etwas darbieten zu können. Reisebeginn ist am 20. Oktober. Die Gruppe fliegt von Frankfurt mit China-Air nach Shanghai. Von dort aus folgt eine Busfahrt nach Hangzhou, wo sie in der Partnerschule von den Austauschschülern empfangen wird.

Während des gesamten Aufenthalts wird die Reisegruppe von einem Vertreter der deutschen Chinagesellschaft, Herrn Wu Dong begleitet.

keplerweb wird Sie durch tägliche emails über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden halten

Pforzheim, den 12.10.2005

Arndt und Tristan Mayer


15.10.2005 (Philipp Mueller)

Wir wollten nur sagen, dass wir zwar um drei Stunden verspaetet, aber umso sicherer in Hangzhou angekommen sind. Wir durften erst eine Stunde spaeter in den Flieger steigen, dann dauerte es in Shanghai noch nochmal laenger als gedacht und zuletzt hinderte uns der Fahrstil der Chinesen daran, dass wir puenktlich haetten ankommen koennen.

Wir wurden alle sehr nett von allen begruesst und empfangen. Anschließend ging es zu den Gastfamilien und morgen werden wir durch Hangzou gefuehrt.

Wir werden uns in den naechsten Tagen hoffentlich mehrmals melden koennen, denn die Zeitumstellung - uns wurden 6 stunden geklaut - und die Reise waren dann doch  anstrengend.

mfG Philipp Mueller

Die Tastatur ist uebringends gluecklicherweise eine amerikanische!!!

 

23.10.2005 (Arndt Mayer)

Wir sind alle gut in Hangzou angekommen und haben alle sehr nette Gastfamilien ... Hier gibt es jeden Tag so viel zu erleben, dass man ein dickes Buch darueber schreiben koennte. Das Essen schmeckt mir sehr gut bis auf dass sich mein Magen von rechts nach links und von oben nach unten dreht. Wenn man sich abends sitzend in der kalten Dusche die Nase schneubt kommen dicke, schwarze Staubwolken hervor und wenn man sich die Haende anschaut bezweifelt man, dass man sie je wieder mit noch so viel Seife sauber bekommt. Sie koennen es sich nicht vorstellen, wie es hier beim Essen zu geht. Aber Genaueres hierzu werden wir Ihnen zu Hause berichten. Trotz alle dem sind wir alle wohl auf und freuen uns auf die naechsten Tage in China.

 

Sonntag, 23.10.2005 (Rebecca Oelke)

Das war also Tag Nr.2, bzw. jetzt kommt Nacht Nr.3. Ich denke, das Schwierigste ist immer so einen Tagebucheintrag oder ein Tagesprotokoll zu beginnen. Daher dieser platte Einstieg... Mal sehen, wie er sich fortsetzen lässt.

Aber vielleicht sollte ich von vorne beginnen. Soll heißen: den Tag Revue passieren lassen, quasi.

Etwas sehr angenehmes heute morgen war das Treffen in der Schule. Die anderen wieder zu sehen, miteinander reden - auf Deutsch! Was man nicht alles so vermissen kann... Einige von uns hatten ja das Glück, schon gestern Deutsch sprechen zu können, wenn zum Beispiel 2 chin. Familienmit Gastschülern beschlossen haben, etwas zusammen zu unternehmen. So war es zum Teil auch heute. Ich hatte sogar das Glück, dass gleich 2 weitere Deutsche + Gastfamilie mit mit uns einen Buddha-Tempel bei Hangzhou besichtigt haben. Das war richtig interessant (so ein Satz muss ja fast in so einer Zusammenfassung erscheinen, das liegt ja schon im Erwartungshorizont! ... aber es war wirklich toll!) Vor allem Kleingeld kann man dort gut loswerden; an den verschiedensten Stellen und durch die verschiedensten Aktionen (werfen zumeist) bekommst du mehr Glueck, je besser du etwas getroffen hast oder je weiter du in die Naehe des Ziels gelangt bist. ...kommt uns das nicht irgendwo bekannt vor? Wir sind auch mit einer Seilbahn ueber Teeplantagen gefahren - auf dem Weg zu einem Bergtempel. Im Auto haben wir sie auch schon gesehen, beim Vorbeifahren... ah ja, woran ich mich immer noch nicht gewoehnen kann ist das Autofahren. Schlimm  ist nicht allein das Fahrverhalten der Chinesen, wobei einem schon dabei die Haare zu Berge stehen, aber: ich kann mich in "unserem" Auto nicht mal anschnallen! Keine Sicherheitsgurte auf den hinteren billigen Plaetzen! Gluecklicherweise habe ich von meinem Platz aus den Tacho nicht im Blick; das wuerde ich wohl nicht ueberleben.

Das Mittagessen war auch schoen. Drei Familien (insg. ca. 12 Personen) an einem Tisch fuer acht. Und unterhaltsam ist es auch. Das Essen fasziniert mich immer wieder. Es steht so viel auf dem Tisch - so viel Verschiedenes! Nachmittags waren wir wieder auf diesem Fussgaengerzonen-Marktplatz, auf dem meist nur traditionelle chinesische Ware angeboten wird. Nach neuesten Umfrageergebnissen unter uns Deutschen ist das wohl die Kulturstrasse. Dort findet man wirklich gute Mitbringsel fuer zu Hause. Tja, da waren wir dann den ganzen Nachmittag. Nach dem Abendessen, vor dem uns eine Familie schon verlassen hatte, waren wir noch einmal am Western Lake. Ziel: Eine Bootsrundfahrt bei Nacht (ca. 1 Std) auf einem zweistoeckigen, restaurantaehnlichen Schiff. Sehr schoen, aber ich glaube, meine Fotos sind nichts geworden. Dafuer haben wir dort zwei fast-Europaeerinnen gesehen. Warum "fast"? Es stellte sich heraus, dass es Kanadierinnen auf Geschaeftsreise waren... Zur Erklaerung: Wir freuen uns immer, wenn wir in den Menschenmassen ein nicht-asiatisches Gesicht ausmachen. Es scheint dann so ... vertraut ... man fuehlt sich nicht mehr wie der einzige Auslaender in ganz China. Wobei man wirklich sagen muss, dass ich es hier sehr schoen finde. Nur in der Fussgaengerzone wird man halt schon als als Kuriositaet betrachtet, manchmal zumindest.

Tja, diese Tagesbeschreibung ist wohl etwas lang geworden. Dafuer musstet ihr ja auch ne Weile warten. Und sie ist wohl etwas subjektiv geraten, aber da wir als "deutsche" Gruppe quasi nichts unternommen haben, was soll ich da gross beschreiben, was was auch alle interessiert? oder alle bestaetigen koennen? Ich habe dieses erlebt, andere das.

Ich haette mich wohl fuer ein spaeteres Datum eintragen sollen... aber so ist es eben, wenn man nach dem Motto lebt: Was weg ist, ist weg.  Welch tiefgruendige Weisheit... aber gut.

So, das reicht fuer heute. Ueberlassen wir das Feld dem naechsten "Freiwilligen"!!!

Ciao,

Rebecca Oelke

 

Montag, der 24.10 05 (Elena Ziegler)

Liebes Kepler!

uns gehts allen gut. Heute sind wir alle in der schule! es sind sehr grosse unterschiede: waehrend des unterrichts laeuft die ganze zeit chinesische musik, die beruhigend(?) wirken soll. es gibt keinen schulgong, sondern eine art Lied, was ertoent, wenn der unterricht vorbei ist. Die schueler wohnen in der schule (Internat) und jeden Montag haelt der direktor eine rede und die schueler muessen fruehsport machen. Heute morgen war eine art Fahnenzeremonie und alle schueler standen in reih und glied (voll perfekt).

Wir haben den unterricht besucht und eine Art Tanzunterricht. dann hatten wir Musik und haben uns chinesische Volkslieder angehoert (und gesungen!)

Heute nachmittag gibts noch sport und dann gehen wir nach Hause!!

machts gut und bis bald!!

 

Dienstag, 25.10.2005 (Nathalie Kiefer)

Hallo zusammen!!!

Heute morgen haben wir uns um 7.40h getroffen. Einige waren auch schon frueher da und um 7.40h kam dann der Schulleiter, Herr Cheng, in den Meetingroom. Dort konnten wir dann verschiedene Fragen stellen und er selbst wollte auch wissen, wie viele Schueler es bei uns in der Schule gibt. Herr Cheng selber kann kein Englisch, also wurde alles von unserer englisch-chinesischen Dolmetscherin uebersetzt.

Unsere Lehrer waren waehrenddessen noch nicht da, sie kamen bevor Frau Zheng vom Oberschulamt kam. Eigentlich haette ein Mann kommen sollen, doch der war irgendwie verhindert. Weil Frau Zheng Verspaetung hatte, haben wir noch so lang gesungen um uns etwas auf Donnerstag vorzubereiten.

Dann gings noch kurz in den Computerraum und anschliessend gabs dann "Lunch". Nach dem Essen wurde die "Singprobe" im Computerraum weiter gefuehrt und nun haben wir noch Zeit bis halb zwei um E-Mails zu versenden oder um raus zu gehen oder sonst was zu machen. Um halb zwei gehts dann in die Kulturstrasse zum Shoppen!!!

Bis dann!!!

 

Mittwoch, 26.10.2005 (Svenja und Alex)

Liebe Daheimgebliebeney

Der Tag begann mit einem Besuch im Seidenmuseum von Hangzhou. Trotz der aufschlussreichen Erklaerungen des netten Museumsmitarbeiters muessen wir leider zugeben, dass sich langsam die Muedigkeit unter den Schueler ausbreitete und man uns durchaus mangelndes Interesse haette vorwerfen koennen (hiermit sprechen wir von unserer persoenlichen Meinung). Andererseits erfuhren wir Spannendes aus sehr alten Geschichte der Seidenproduktion und somit hat sich dieser Besuch dennoch gelohnt.

Nachdem wir unter anderem Oktopus zu Mittag gegessen hatten (zum Glueck erfuhren wir erst spaeter was es war), begann das geplante "Sports Meeting" mit zum Beispiel Tauziehen zwischen Deutschland und China (bei welchem sich Herr Sonnenberg und Herr Pflueger tatkraeftig mit einbrachten). Die erste Runde ging ! an die Chinesen, die ihre Teilnehmerzahl kurzfristig erhoehten, doch die Deutschen haben dann sofort ausgeglichen. So beliess man es bei einem Unentschieden. Der Hoehepunkt des heutigen Tages ist das grosse Fussballspiel, das in ungefaehr einer Stunde angepfiffen wird. Davor beeindruckten die Chinesen mit einer Parade, die fast schon militärische Zuege aufwies, und einer gymnastischen Darbietung, die sie sich selbst ueberlegt haben. Nun muessen wir aber zurueck zum "Sports Meeting".

Viele Liebe Gruesse aus China

Svenja und Alex

 

28.10.2005 (Thomas und Philipp)

es tut uns leid, aber wir konnten durch den staendigen Hotelwechsel leider nicht frueher schreiben.

Wir trafen uns am Donnerstag morgen um 8.00 Uhr an der Schule in Hangzhou, um von dort mit dem Bus weiter nach Shanghai zu fahren. Nachdem letztendlich auch die Lehrer eingetroffen waren, starteten wir unsere Weiterfahrt um 8.45 Uhr. Nach dreistuendiger Fahrt besuchten wir das Shanghaier Museum, welches als das beste Chinas betitelt wird (Der Tearoom war ausgezeichnet:-) ). Nach einem vielfaeltigen Mittagessen konnte jeder in der Nanking-Road, bei stroemendem Regen, shoppen gehen. Zum Schutz gegen den Regen diente uns ein McDonalds " 1.80 Euro fuer ein BigMac Menue!!". Frisch gestaerkt gingen wir ins naechste Restaurant. Trotz grosser Muedigkeit wurden wir gluecklicherweise gezwungen, den Jinmao Tower zu erklimmen. Unsere Strapazen wurden durch den wunderbaren Ausblick gerechtfertigt!!

Nachdem wir wieder alle heil unten angekommen waren, fuhren wir nun in unser Hotel. Dies stellte sich als das bisher groesste Highlight der Woche dar. Wir Schueler hatten riesige Zimmer mit herrlichem Ausblick auf die Stadt, auch unter der sehr geraeumigen Dusche. Den Tag ließ der Grossteil der Runde in der Jazz Bar im 18. Stock stilecht ausklingen.

"Wuschige" Gruesse aus Wuxi

Thomas & Philipp

 

2.Tag WuXi 31.10.05 (Rebecca Sessler und Eike Markus)

Tja, wie soll man anfangen.... Nur noch 3 Tage (oder 2, wie man halt zaehlt!) bis zum Rueckflug, wobei wohl (wieder mal) das "noch" als relativ gesehen werden muss, je nach dem ob man noch mehr China erleben will oder jede einzelne Zelle nach Hause schreit. Man kann wohl behaupten, dass letzteres auf den groesseren Teil der Gruppe zutrifft! Das 3. Fruehstueck im 3. Hotel: Nur ein Satz|1 These: Je westlicher (also interkontinentaler) das Essen, desto ekeliger! Zitat Nico Z. "Ham war gut!" Nachdem wieder oder dreimal (haha schlechter Witz) sie KOffer mit aller Gewalt geschlossen wurden, hiess es wieder: Steigt in Bus (liebevoll Todesbus genannt, oh dieser Verkehr, diese umherfliegenden Gepaeckstuecke....) ab in den Filmpark! Hongkong Actionmovie-Schauplatz? Chinesisch! es GZSZ-Set? Nein! Der "sauberste" See Chinas! Wir wissen uebrigens immer noch nicht, ob dieser noch fluessig war oder doch eher ein Gelee!

Danach Essen, nichts Besonderes, wir essen eigentlich staendig. Die Frage ist nicht was, sondern wie eklig es sein wird. Heute mittag: latein-amerikanisch! Oder besser: chinesisch mit Besteck! (Kleines Wunder am Rande: Noch keinen Durchfall, aber ein paar mal Fieber! 37 Maegen aus Stahl!)

Einschub:  DIE CHOP SUEY-LUEGE!

Aus reinem Interesse sind wir, oder besser gesagt Lino, auf die Idee gekommen Chinesen nach dem EINEN chinesischen Essen zu fragen: Chop suey. Niemand, jedenfalls kein Chinese weiss etwas ueber dieses Gericht! Es ging das Geruecht um, Chop bedeute Schwein, aber niemand glaubt wirklich daran. Wir hoffen bis Donnerstag Licht ins Dunkle zu bekommen.

Wieder im Todesbus, schon im Perlenladen. Sauteuer und obwohl gutem Kauf, nichts Besonderes. Um nach diesem Kaffeefahrt-Erlebnis nicht gleich wieder zu essen, haben wir uns, den ich-weiss-nicht-wievielten Garten angeschaut. (5 oder 6 Gaerten, keine Ahnung...) und wie schon angekuendigt: Essen im Restaurant. Aber nein, vorher wurde uns wieder einmal die Moeglichkeit gegeben, Geld auszugeben, was ziemlich schwer ist, da hier alles so verdammt billig ist! (Beispiel: teuerste Schuhe: 12,80 EUR)

Das Essen, ja das Abendessen, wie soll ichs sagen: widerlich! Nicht mehr ekelhaft, sondern einfach nur (nur ist gut) widerlich! Jetzt gerade sitzen wir in einem Bahnhof und warten auf unseren Zug, der uns dann nach Peking bringt. Im Moment liegt nur die Frage, wie gut ist die erste Klasse, wenn es nur zwei gibt, in der Luft. Im naechsten Beitrag wird dann sicherlich diese Frage aeusserst ausfuehrlich beantwortet werden. Und wir sagen nur: "I don't know how to describe ist, maybe have a taste!"

Rebecca Sessler und Eike Markus

 

01.11.2005 (Tristan, Dominik, Christian, Arndt)

Hallo Kepleraner,

heute am Dienstag, den 1.11.05, haben die Chinareisenden nach einer strapazioesen Zugfahrt zunaechst den Sommerpalast des Kaisers besichtigt. Dann ging es mit dem Bus weiter zum Platz des Himmlischen Friedens. Nach 2.5 Stunden Besichtigungstour durch die Verbotene Stadt fuhren wir zu einem Tempel, der fuer kaiserliche Zeremonien erbaut wurde. Zum Abendessen gab es die weltberuehmte Pekingente. Um 20 Uhr kamen wir erschoepft in unserem Hotel an und belohnten uns selbst mit einer Ladung Bier.

Tristan, Dominik, Christian, Arndt

 

01.11.2005 (Lino Wirag)

Hallo Kepler,

Etwas verspätet, aber dafür etwas länger hier unsere Erlebnisse und Ergebnisse vom 1. November 2005 in Peking:

Noch schwer schlafbetrunken von der ruckelnden und rackenden Schlafwagenfahrt rollen wir in unserem „King Long“ (ein Reisebus; bedeutet soviel wie „König Drache“) durch das morgendliche Peking. Die Stadt selbst dehnt sich kilometerweit aus, ohne dabei wesentliche optische Anhaltspunkte zu bieten: Es bleibt staubig, grau und laut (man baut natürlich auch nachts – schließlich kommt 2008 die Olympiade nach Beijing, und bis dahin wollen Dutzende Hotelzimmer, Parks, Autobahnen und Müllberge hochgezogen werden); aber auch faszinierend und sehr spannend, besonders dann, wenn unser Busfahrer mal nicht in den neben ihm stehenden Mülleimer spuckt, sondern zu einem seiner waghalsigen Fahrmanöver im dichten Straßenverkehr ansetzt: Rückwärtsfahren auf dem Autobahnzubringer, Motor-laufen-lassen auf dem Parkplatz etc. pp., wobei uns unser chinesischer Schumi uns doch immer sicher zum Ziel spediert. Der eigens gecharterte Reiseführer heißt mit Nachnamen Sun, wir dürfen ihn aber – Überraschung! – „Sunny“ nennen, zum Dank unterhält er uns mit mit Schnurren und Informativem, das er routiniert ins Busmikro abspult.

Erste Station ist dann der Sommerpalast, an diese malerische Stätte zog sich seine Majestät für einen Teil des Jahres zurück, um (mutmaßlich) mit einem Tretboot auf den See hinauszutreten, über die „Brücke der 17 Bögen“ auf sein Privatinselchen zu flanieren, durch den längsten Wandelgang der Welt zu wandeln oder mit seinem eigens installierten Marmorboot nicht zu fahren, logo: ist ja aus Stein. Ansonsten empfing er in der „Halle des Wohlwollens und der Langlebigkeit“ seine Mandarine und Orangen.

Nach einem tüchtigen Mittagsmahl fahren wir mitten hinein ins Herz der Hauptstadt: zum größten Platz der Welt, dem Tian’anmen-Platz. Schlappe 40 Hektar misst die Betonwüste, die mit einem schmucken Denkmal der Volkshelden und der Mao-Zedong-Gedenkhalle ein wenig aufgelockert wird. In dem von uns flugs in „Maosoleum“ unbenannten Gebäude wird die Leiche des Großen Vorsitzenden („Chairman Mao“) seit seinem Tod 1976 in einer Nährflüssigkeit aufgebahrt. Unser Reisepoet beteiligt sich mit dem Vers: „Chairman Mao seine Leiche / Schwimmt in seiner eignen Seiche“, stößt aber nur auf Ablehnung.

Seitlich flankiert wird der Platz von der Großen Halle des Volkes, in der man 10.000 Menschen unterbringen kann, hier tagt auch der Nationale Volkskongress; nicht zu vergessen das „Museum der chinesischen Revolution“ auf der gegenüberliegenden Seite, das in geschichtskorrigierender Weise die Historie der Kommunistischen Partei Chinas nacherzählt. Außerdem ein großer Zähler, der sekundengenau die Zeit bis zur Eröffnung der Sommerspiele herunter-countdownt.

Vom Tor des Himmlischen Friedens (das eigentliche „Tian’anmen“) verkündete Mao 1949 die Volksrepublik, weshalb man seiner auch mit einem Riesenporträt und den Sprüchen „Lang lebe die Volksrepublik China“ und „Lang lebe die große Einheit der Völker der Welt“ gedenkt. Da unter den Kommunisten die Volksprotest auf dem Platz des Himmlischen Friedens immer wieder blutig eskalierten (zuletzt bei dem Massaker am 4. Juni 1989) mutet der Name des Ortes schon fast zynisch an.

Durch das Tor gelangen wir in die Verbotene Stadt, den alten Kaiserpalast aus dem 15. Jahrhundert. Die Anlage besteht der Legende nach aus 9.999 (9 war die kaiserliche Zahl) Räumen, faktisch sind es aber nur 8.403. „Verboten“ war die Stadt, weil kein Normalsterblicher hier rein oder raus kam; nur die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie und ihre Höfe residierten hier, alles in allem ca. 15.000 Menschen. Alle Gebäude richten sich streng symmetrisch an einer Nord-Süd-Achse aus (Spiegelbild der kosmischen Ordnung), deswegen durchschreitet man unzählige Höfe, Vorhöfe und Vorvorvorhöfe, kommt dabei an diversen Hallen (Halle der Höchsten Harmonie, Halle der Vollkommenen Harmonie, Halle zur Erhaltung der Harmonie; besonders nett ist das, wenn man weiß, dass Chinesen ihre Pinkelpause „Harmoniepause“ nennen) vorbei, bevor einen der Palast durch das Tor der Göttlichen Tapferkeit wieder hinten ausspuckt. Überall wird noch eifrig überpinselt und restauriert, damit in drei Jahren alles glänzt, funkelt und strahlt.

Die letzte Tat des Tages: Ein Besuch in der Anlage des sogenannten Himmelstempels, wo der Kaiser Gebete und Opferrituale vollzog (wenn das Wetter schlecht war); zunächst meditierte seine Hoheit in der Halle des Himmelsgewölbes, die von der Echomauer umgeben wird, die so raffiniert gewölbt ist, dass man ein Flüstern noch in großer Entfernung hören kann (so die Mauer nicht, wie in unserem Fall, aus Schutzgründen abgesperrt ist). Auf dem Boden befinden sich die Echosteinplatten, die angeblich je nach Stein ein einfaches bzw. mehrfaches Echo produzieren, die Nachprüfung verlief allerdings wenig erfolgreich. Die wunderschöne Halle des Ernteopfers mit ihren 50.000 blau glasierten Dachziegeln (und alles ohne einen einzigen Nagel!) wird natürlich – gerade erneuert.

Vom Ernte- zum Entenopfer: Die sehr be- und gerühmte Pekingente verschwand zum Abschluss Tages in kleine Reisfladen eingehüllt geschwind in unseren zufriedenen Bäuchen. Ente gut, alles gut.

Liebe Grüße, euer Lino