„Das Essen ist zwar anders, aber okay"
Wie junge Chinesen die Goldstadt erleben / Ungewöhnliche Schulpartnerschaft
(Pforzheimer Kurier vom 18.7.2006)
Interessiert und hochmotiviert sitzen sie im Foyer des Ratsaalgebäudes. Was Bürgermeister Gert Hager spricht, verstehen sie nicht, umso gespannter lauschen sie der Übersetzung von Dong Wu von der Deutschen China-Gesellschaft. Das Interesse der 32 chinesischen Schüler und sechs Lehrer ist groß. Seit November letzten Jahres besteht eine Schulpartnerschaft zwischen dem Pforzheimer Kepler-Gymnasium und der Changhe-Highschool in Hangzhou. Der noch bis 23. Juli dauernde zweiwöchige Aufenthalt in Pforzheim stellt den Gegenbesuch zur Chinareise einer 36-köpfigen Gruppe des Kepler-Gymnasiums im Oktober 2005 dar. Der Austausch wurde vor'zwei Jahren von der Deutschen China-Gesellschaft in Karlsruhe initiiert. Auf eigene Kosten reisten die Pforzheimer Schüler und Lehrer nach China. Nun sind die Chinesen hier.
Pforzheim sei mit 120 000 Einwohnern im Vergleich zur Vier-Millionen-Stadt Hangzhou zwar nur eine kleine Stadt, habe aber auch einiges zu bieten, erklärt Bürgermeister Gert Hager. Als er mit seiner Rede fertig ist, greifen die chinesischen Gäste zu den Fotoapparaten. Manche benutzen sogar gleichzeitig Videokamera und Fotoapparat.
Die 150 Kilometer nördlich von Shanghai liegende Stadt Hangzhou war früher ein wichtiges Zentrum der Seidenproduktion. Mittlerweile gibt es einen großen industriellen Aufschwung. Die geplante Verlängerung der Transrapidstrecke soll dort enden.
An der Changhe-Highschool lernen rund 2 200 Schüler. Zurzeit wird Englisch als Fremdsprache unterrichtet, man möchte jedoch auch Deutsch einführen. Während ihres Aufenthalts in Deutschland verbringen die chinesischen Jungen und Mädchen eine Woche in Gastfamilien. Einige übten sich sogar in asiatischer Kochkunst, doch was dabei herauskam, habe für sie „deutsch" geschmeckt, bemerkten lachend zwei junge Chinesinnen.
Die Lehrer des Kepler-Gymnasiums haben sich für die Gäste aus Fernost ein umfassendes Besichtigungsprogramm ausgedacht.
Am Ende der Willkommensfeier überreicht Yueling Qiu, der stellvertretende Schulleiter der Changhe-Highschool, an Bürgermeister Hager eine Statue. Sie stehe symbolisch für die chinesische Kultur und bedeute, jemandem Glück zu wünschen.
Zhui Mei und Lao Ling Ling, zwei Mädchen der Changhe-Highschool, genießen ihren Aufenthalt in Deutschland. Das Essen sei zwar anders, aber okay. Sie hätten auch keinerlei Verständigungsprobleme, meinen die beiden Mädchen strahlend. Sie wollen die Welt sehen und die Unterschiede der Länder kennen lernen. Klaus Pflüger, Abteilungsleiter Mathematik und Naturwissenschaften am Kepler-Gymnasium, rechnet mit einer Fortführung der Partnerschaft. „Wir wollen versuchen, den Austausch jedes zweite Jahr anzubieten."
Verena Rosswag
VOLLER BEGEISTERUNG fotografieren Schüler der Changhe-Highschool in Hangzhou Bürgermeister Gert Hager und ihren stellvertretenden Schulleiter. Manche benutzen dabei gleichzeitig Fotoapparat und Videokamera. Foto: Ehmann