13.02.09
Debattierclub besucht den Landtag in Stuttgart
Warum denn das?
Wir wollten "Profis" beim Debattierren beobachten, erleben und von ihnen lernen.
Wir bekamen einen Ausschnitt aus der Debatte/über die Haushaltsverabschiedung geboten. Konkret ging es um die Punkte Kultur und Schulen. Ging es im Bereich Kultur um die Finanzierung von staatlichen Theatern und Museen, so wurde im Bereich Schule festgehalten, dass der neue Klassenteiler bei 32 Schülern liegen soll.
Die Debatte über den Haushalt zeigte gemäß ihrer jeweiligen Funktion, dass die Regierungskoalition ihre Politik positiv bewertete, während die Opposition diese meistens durchweg kritisierte.
Wirklich interessant waren unsere Beobachtungen:
- sonderbarer Umgang mit den Rednern, da viele nicht zuhörten ("Arbeit" am Handy, Unterlagen durchlesen, Notizen anfertigen usw.)
- es fand nicht wirklich eine Debatte, eine Auseinandersetzung statt, sondern es wurden die Parteipositionen vorgetragen (also: Begriffswirrwarr "Haushaltsdebatte", denn der Landtag ist Arbeits- und nicht ein Redeparlament)
- es gab einen Zwiespalt zwischen Fraktionsdisziplin und freiem Mandat, einzelne PolitikerInnen meldeten sich bei Abstimmungen nicht (es wurde übrigens trotzdem bei mehrheitlicher Zustimmung "einstimmig" festgestellt)
Und was hielten wir von den Rednern?
- es gelang fast allen Rednern nicht mehr, die anderen Politiker zum Zuhören zu bewegen
- die Reden waren teilweise so schlecht vorgetragen, dass sie nicht richtig verstanden wurden
- es wurde auf andere Positionen überhaupt nicht eingegangen
Die letzten zwei Redner allerdings verstanden ihr Handwerk vom rednerischen Aspekt her:
- es gelang, die Inhalte schwungvoll vorzutragen, man hörte tatsächlich zu
- hervorragend war ein Redner, da er überzeugte: 1. Bezug auf Vorredner,
2. These, 3. Erläuterung, 4. Beispiele aus Statistiken und dazu noch mit
einer metaphorischen, bildhaften Sprache, die das Hirn wach hielt
Die Atmosphäre entsprach weniger einer gepflegen Gesprächskultur als einer geschäftigen Arbeitssituation.
Fazit:
Die Qualität der Reden war weniger überzeugend, weil der Landtag hier ein Repräsentationsforum darstellt und nicht dem Zweck dient, durch landtagsinterne Debatten zu einer Entscheidung zu kommen.
Wenn es das Ziel war, eine gute Debatte zu hören, so haben wir dieses Ziel verfehlt, wenn es darum ging, sich ein Bild vom Landtag zu machen, dann war es ein voller Erfolg.