Enzwasser im grünen Bereich
Kepler-Schüler stellen mit Hilfe des rollenden Ökomobils des Regierungspräsidiums gute Fluss-Qualität fest
(PZ vom 11.5.2007)

Aus einem Nebenarm der Enz in Eutingen haben gestern Schüler des Kepler-Gymnasiums Kleintiere entnommen, um dann zusammen mit dem promovierten Biologen Daniel Baumgärtner vom Regierungspräsidium Karlsruhe (Zweiter von links) im Ökomobil Rückschlüsse auf die Wasserqualität zu erhalten.
PFORZHEIM. Mit Keschern haben gestern Kepler-Schüler in Gummistiefeln Kleintiere aus der Enz bei Eutingen gefischt, die auf eine gute Wasserqualität der Stufe zwei schließen lassen. Im Ökomobil wurden die Proben untersucht.
Unter Leitung des Biologen Daniel Baumgärtner, der seine Doktorarbeit über Tiere im Wasser geschrieben hat, erfuhren die Schüler der Klasse 11 i des Kepler-Gymnasiums, was eine „chemische Kommunikation“ ist. Sogar Lehrerin Corinna Schmeiser staunte, als sie von Baumgärtner erfuhr, dass weibliche Bach-Flohkrebse das Häutungshormon Ecdyosin freisetzen, das sie von ihrem Panzer befreit. Die Männchen riechen dies und produzieren danach selbst synchron dazu ihr eigenes Häutungshormon, das sie zur Paarung bereit macht. Diesen Vorgang können die Schüler jetzt in der nächsten Biologie-Arbeit als Beispiel für eine „chemische Kommunikation“ nennen.
Wo diese Tierchen leben, zum Beispiel in der Enz, muss die Wasserqualität mindestens so gut sein, dass sie die Qualitäts-Stufe zwei hat, also im grünen Bereich liegt. Und wirklich: Die Wasserqualität des Pforzheimer Flusses hat sich innerhalb von 30 Jahren genau wie die Qualität der Flüsse Nagold und Würm um eine halbe Stufe verbessert, bestätigte der promovierte Biologe.
Der Zusammenhang zwischen der Wasserqualität und dem Vorkommen bestimmter Tierarten liegt auf der Hand: In sauberem, sauerstoffreichem Wasser leben andere Arten als in nährstoffreichem Wasser mit geringem Sauerstoffgehalt. Das Finden bestimmter Arten erlaubt also den Rückschluss auf die Güte des Gewässers.
Unterrichtsstunde im Grünen
„Derzeit sind 164 Wassertierarten bekannt, denen nach neuer EU-Norm ein Wert für die Wasserqualität zugeordnet wird“, so der Biologe. Die Schüler bestimmten die aus der Enz gefischten Arten, fügten einen Häufigkeitsfaktor hinzu und verglichen den Wert der Wasserqualität, die jeder Tierart aus der Enz zugeordnet wird.
Schüler Christopher Sliwinski, der schon vor Betreten des Ökomobils wusste, was eine Flussnapfschnecke ist, hatte großen Spaß daran, mit einfachen Untersuchungsmethoden den Zustand eines Lebensraumes zu entschlüsseln. Auch sein Klassenkamerad Tim, der allerdings erst noch mit Gummistiefeln ausgestattet werden musste, weil er keine eigenen mitgebracht hatte, fand die Unterrichtsstunde im Grünen eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag.
Schülerin Alexandra erklärte, dass sie schon vor zwei Jahren Erfahrungen bei einer Flussuferputzete gesammelt habe, während Niklas seine Erfahrungen mit Wasser und Tieren vor allem auf sein Heim-Aquarium zurückführt.
Das Ökomobil kann telefonisch unter (07 21) 9 26 43 47
Artikel wurde erstellt von Roger Rosendahl
Quelle: http://www.pz-news.de/pforzheim/92118/index.html