Das POL&IS Planspiel
Am 01.03.2010 um 7.45 Uhr brachen vierzig Schüler und drei Lehrende des Kepler-Gymnasiums zum dreitägigen Planspiel POL&IS auf der Burg Rothenfels bei Würzburg auf.
Bei POL&IS handelt es sich um eine hoch komplexe, interaktive Simulation der Welt und der Internationalen Beziehungen. Neben der Sicherheitspolitik und den politischen Gesichtspunkten werden auch ökonomische und ökologische Aspekte während des Spiels dargestellt. Die Staatenwelt ist in elf Regionen aufgeteilt, die alle unterschiedliche, an die Realität angelehnte Ausgangsbedingungen haben und durch den Regierungschef, den Staatsminister und den Wirtschaftsminister repräsentiert werden. Außerstaatliche Akteure wie die Vereinten Nationen, die Weltbank, die Nichtstaatlichen Organisationen (NGOs wie z.B. Greenpeace, Terre Des Hommes oder Transparency International) und die Weltpresse ergänzen die Akteure und tragen zur Dynamik im Spiel bei. POL&IS ist modular aufgebaut und kann durch die Spielleitung an das Lernziel und die Teilnehmer angepasst werden. Die Grundbausteine sind Politik, Wirtschaft und Militär. Innerhalb der Bausteine können verschiedene Unterkategorien in das Spiel eingebaut werden, so z.B. im Politikbaustein Innenpolitik oder Bevölkerungspolitik oder im Baustein Wirtschaft die generelle Wirtschaftsleistung und die Versorgung der Bevölkerung.
Die Simulation wurde von den Jugendoffizieren der Bundeswehr betreut, die die Räume mit Fahnen etc. herrichteten, Videos („POL&IS-Tagesschau“) einspielten, bis spät Nachts (!) die Handlungen der Regionen auswerteten, internationale Pressekonferenzen leiteten, aktuelle Konflikte (z.B. Piraterie am Horn von Afrika) in das Spiel einsponnen und überall und jederzeit schwierige Regelfragen klärten. Vielen Dank dafür!
Der Ablauf eines POL&IS Jahres gliedert sich in die Phasen Beratung in den Regionen, Produktion und Kartenarbeit, Kurzberatung I, Handel und Verhandlungen, Kurzberatung II, Internationale Information, Wahlen und Konferenzen / Konflikte.
Die Güter, die im Spiel in jeder Region produziert und verwaltet werden müssen, sind:
| · Energie | · Rohstoffe |
| · POL&IS-Dollar | · Industriegüter (diese können aus Energie und Rohstoffen hergestellt werden) |
| · Agrargüter |
Es gibt einen Grundbedarf an Industrie- und Agrargütern, der gedeckt werden muss. Ist dies nicht der Fall, kann es zu Abwanderung, Streiks oder auch Bürgerkriegen kommen. Die wirtschaftlichen Abläufe innerhalb des Spiels werden auf dem Produktionsformular dargestellt und dieses ist auch für die Berechnung der Kosten, produzierten Güter und Ausgaben erforderlich. Auf dem Umweltformular werden die Faktoren für die weltweite Umweltverschmutzung und den Handel mit Müll erklärt. Unter anderem wirkt sich der Müllwert beim Überschreiten des Grenzwertes negativ auf die Zufriedenheit der Bevölkerung aus.
Es gilt also für die Regierung die notwendigen Güter zu erwirtschaften, in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und anderen Regionen die jeweiligen internationalen Ziele zu erreichen und die Sicherheit der Region zu gewährleisten. Dies erreichten die Regionen unter anderem durch sogenannte „Programme“, z.B. führte das friedliche Ozeanien ein Programm zum Schutz der Tierwelt durch, das als positiven Nebeneffekt den Tourismus ankurbelte (es entstand ein Industriezentrum), allerdings produzierte dieses auch neuen Müll. Die „Region“ China verfolgte hingegen eine sehr aggressive Politik, sowohl mit der Fülle geheimer (völkerrechtswidrige!!!) Verträge als auch mit ihren Programmen zur Modernisierung des Militärs. Ungewöhnliche Wege ging der Wirtschaftsminister Osteuropas, der in der ökonomischen Krise seiner Region in großem Rahmen junge Osteuropäerinnen in den Westen verschaffen wollte. Nachdem dieser Skandal von der knallharten Presse an die Öffentlichkeit gebracht (inklusive in-flagranti-Fotos!) wurde und entsprechend postwendend von Amnesty International gebrandmarkt wurde, wollte es dann wieder niemand gewesen sein…
Während die ersten beiden Jahre noch von gegenseitigem Misstrauen und stark eigennützigem Handeln geprägt waren, kam es in den letzten beiden Jahren zu mehr Kooperation und Zusammenarbeit zwischen den Regionen, außerdem wurde armen Regionen durch Spenden und Entwicklungshilfe, durch Nahrungslieferungen und wirtschaftliche Zusammenarbeit geholfen.
Insgesamt war das Planspiel ein voller Erfolg und den Schülern konnten in diesem Rahmen die Mechanismen in den Internationalen Beziehungen näher gebracht werden, ebenso wurde deutlich, inwieweit die Lösung aktueller Probleme Kooperation und konstruktive Zusammenarbeit erfordert.
Schweier / Fink von Rabenhorst