Kepler-Gymnasium Pforzheim

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Berichte von oder über ehemalige Kepler-Schüler/Lehrer


Von der Leidenschaft fürs Tauchen gepackt

Im Hausflur des Reihenhauses auf dem Sonnenhof stehen schon die Koffer bereit. Flossen, Tauchanzüge, die Fotoausrüstung sind kaum ausgepackt, da geht es bereits wieder los.
Herbert Frei und seine Frau Helma waren gerade erst auf Tauchsafari im Roten Meer. In ein paar Tagen geht es nach Portugal. Fast ein bisschen stressig, so ein ausgefülltes Taucherleben. „Die haben mich eingeladen. Soll ich das etwa sausen lassen?“, fragt der Rentner. Auf keinen Fall.
Die Leidenschaft fürs Tauchen hat die Freis vor über vier Jahrzehnten gepackt – und nicht wieder losgelassen. 1973 stieß der Diplom-Ingenieur zum 1.Tauchsportclub Pforzheim, der dieser Tage sein 50-jähriges Bestehen feiert. Begeistert hat ihn auch damals schon die Unterwasserfotografie, wie die des österreichischen Meeresforschers und Tauchpioniers Hans Hass, der seit den 30er-Jahren den Europäern die aufregende Unterwasserwelt näherbrachte. In einem selbst gebauten Gehäuse, das den heutigen Exemplaren gar nicht so unähnlich sieht, transportierte Hass die Kamera zu Haien und Korallen – und brachte mit seinen Bildern und Filmen die Menschen zum Staunen. Tauchen war ein Sport für Bastler und Abenteurer.
Auch gut zwei Jahrzehnte später wurde von den Tauchern des TSC Pforzheim noch so manches selbst gebaut und improvisiert. Tauchcomputer waren noch lange nicht in Sicht. Stattdessen behalf man sich mit Dekompressionstabelle, Taucheruhr und Tiefenmesser. Auch die Tarierweste war noch nicht erfunden – für den Auftrieb trug man einen aufblasbaren Rettungskragen um den Hals, der den Kopf unangenehm nach oben drückte, erinnert sich Frei. Anstatt wie andere Clubmitglieder sein Kameragehäuse selbst zu sägen und zu schrauben, setzte der damalige Mitarbeiter des Eichamts gleich auf professionelle Technik. Er sei damals extra nach Küsnacht in der Schweiz gefahren, um ein Unterwassergehäuse bei der Firma Hugenschmidt zu erstehen, erzählt er. „1600Mark hat das damals gekostet. Mehr als ich im Monat verdient habe. Dafür musste ich unser Sparbuch plündern.“
Pioniergeist zeigen die Freis auch bei ihrer ersten Reise in tropische Gefilde: Tauchreisen wurden damals noch nicht bequem im Reisebüro gebucht – inklusive Hotel und Flughafentransfer, Tauchdestinationen und Guides. Stattdessen setzten sich Helma und Herbert in ihren VW-Bus und legten 1973 quer durch Europa, die Türkei, Syrien, den Libanon und Jordanien 16 000 Kilometer zurück. Mit zwei Pressluft-Flaschen im Gepäck, ohne richtige Tauchbekleidung und ohne einen Tauchschein reisten sie nach Aqaba am Roten Meer. Bei der Fahrt durch Kurdistan sei es einige Male kritisch gewesen, erinnert sich Frei, ein Überfall blieb jedoch glücklicherweise aus. Gefahren scheut Herbert Frei bis heute nicht für sein Hobby. Auf Kuba tauchte er mit Salzwasserkrokodilen, im Meer vor Guadeloupe schoss er von einem Käfig aus Fotos vom berüchtigten Weißen Hai. Wenn der mal angreife, nütze auch die Kamera nichts mehr, die Frei sonst gerne zur Verteidigung einsetzt. „Das ist ein Monster“, meint er.
Frei tauchte auch in den Cenoten, den Kalksteinhöhlen von Yucatan, in denen die Mayas einst ihre Toten bestatteten. Nicht nur einmal war es richtig knapp: Als er mit Frau und Tochter auf den Malediven so weit vom Boot abgetrieben wurden, dass sie nur noch der Einsatz einer Notsignalrakete rettete. Oder als beim Einstieg ins Boot ein Tigerhai nach ihm schnappte.
Die großen Raubfische sind das eine. Noch gefährlicher sind für die Taucher nach Freis Einschätzung Stell- oder Schleppnetze. Im Mittelmeer konnte er sich einmal nur mit Mühe daraus befreien – dank einer Schere, die er dabei hatte. Großes Kopfzerbrechen haben dem ehemaligen Kepler-Gymnasiasten diese Erlebnisse nie bereitet. „Ich bin ja noch da“, meint er. Am liebsten würde er mal in Afrika einem Flusspferd unter Wasser begegnen. Die eineinhalb Tonnen schweren Kolosse sind zwar Vegetarier, „aber die beißen dich in der Mitte durch“, sagt Frei und lacht abenteuerlustig.
Bei allem Mut zum Risiko: Unter Wasser ist der 72-jährige eigentlich ein Arbeitstier. „Du brauchst als Taucher eine Beschäftigung, sonst wird es langweilig“, lautet sein Credo. Seine Beschäftigung ist das Fotografieren. Für spektakuläre Fotos legt er sich auch in Flüssen oder Seen der Region auf die Lauer. Der Lohn sind zum Teil einzigartige Aufnahmen, die auch die Zeitschriften „Sporttaucher“, „Tauchen“, „Aquanaut“ oder „Divemaster“ gerne drucken. Und wenn der Fisch des Jahres gekürt wird, rufen die Anglermagazine bei ihm an. „Hast du da nicht was?“ Hat er. Zehn Terabyte Daten, mehr als 100 000 Fotografien, lagern auf Freis Server in seinem Keller. Stolz ist er nicht nur auf die gefährlichen Meeresbewohner, die ihm vor die Linse gekommen sind. Auch in den Flüssen und Seen Mitteleuropas hat Frei Entdeckungen gemacht: Wer weiß schon, dass es auch im Süßwasser Quallen gibt? Und wie schön diese aussehen? „Guck mal, was das für ein Kerl ist“, sagt er und betrachtet einen anderthalb Meter langen Huchen, den er im Donau-Nebenfluss Traun ablichtete – auf dem einzigen Foto mit Taucher, das seines Wissens existiert.
In Sachen Unterwasserfotografie ist der Selfmade-Fotograf über die Jahre zu einer echten Koryphäe geworden. 30 Bücher zum Thema hat Frei inzwischen schon veröffentlicht. Er wird mehrmals im Jahr von Veranstaltern auf Tauchreisen eingeladen, er testet Kameras und Unterwasserbeleuchtung. „Ich weiß, dass das ein zweischneidiges Schwert ist“, sagt Frei, der sich der Werbewirkung seiner Reiseberichte durchaus bewusst ist. Aber wenn Kritik angebracht sei, äußere er diese auch. Manchmal müsse er einem Hersteller auch sagen, dass sein Material gar nichts taugt – und er lieber nachbessern sollte, bevor Frei sein Urteil veröffentlicht. Die größte Herausforderung unter Wasser ist das Problem, gute Bilder mit Kunstlicht zu gestalten. Wasser ist 750-mal dichter als Luft. Dementsprechend eingeschränkt ist die Sicht. Wenn man bei klarem Wasser einmal 50 Meter weit sehen kann, ist das schon außergewöhnlich. Fotografisch einfangbar sind auch dann nicht mehr als zehn Meter. Der Blitz reicht höchstens zweieinhalb Meter weit, denn die feinen Schwebepartikel streuen das Licht und die Spektralfarben gehen verloren. Ein weiteres Problem für den Unterwasserfotografen an Land ist der Transport der Kameras neben dem ganzen anderen Tauchgerödel. Auf dem Flughafen wird Frei schon mal wie ein Terrorverdächtiger durchsucht. Ohne die Frau an seiner Seite hätte er bereits mit dem Übergepäck seine liebe Not. Übrigens: Nicht nur unter Wasser schlüpft Helma häufig in die Rolle der Assistentin, die ihm die passende Kamera reicht. Auch die Bildbearbeitung liegt in ihrer Hand: Sie sorgt dafür, dass die Farben der Bilder natürlich und störende Schwebeteilchen aus dem Bild entfernt werden. Berufung in der Tiefe

Quelle: http://pz-news.de (10.2017)


Ein Traum wird Wirklichkeit

Für Matthias Schlegel geht an diesem Wochenende ein Ballonfahrer-Traum in Erfüllung. 31 Jahre, nachdem er als kleiner Knirps beim ersten Wettbewerb als Sechsjähriger die bunten Ballone am Goldstadt-Himmel sah, steuert er nun selbst erstmals sein eigenes Gefährt beim GermanCup und genießt dann die fantastische Aussicht auf die Region, die ihm dann buchstäblich zu Füßen liegt. Die Faszination des Ballonfahrens ließ den Schüler Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr los. Mit viel Ideenreichtum baute der Kepler-Gymnasiast seine ersten kleinen Modellballone aus Papier, deren Luft mit dem Camping-Gaskocher erwärmt wurde. Den Korb hatte er selbst geflochten. Dann ging es Schlag auf Schlag. Nicht nur bei den Pforzheimer Ballontagen machte Schlegel mit seinen Gefährten Furore. In ganz Europa waren er und seine Eltern unterwegs, besonders auffallend waren seine Mini-Pinguine, die er ferngesteuert über die Köpfe der Schaulustigen schweben ließ. Nach seinem Maschinenbaustudium an der Pforzheimer Hochschule verschlug es Matthias Schlegel in Richtung München, wo er auch im Jahr 2009 seine Ballon-Piloten-Ausbildung abschloss. Ein Jahr später war die Faszination perfekt. Schlegel stand am Brenner seines ersten eigenen regenbogenfarbenen Ballons mit dem Namen „D-OSBK“, mit dem er am Wochenende über die Goldstadt schweben will. Höhepunkt seiner Ballonfahrer-Laufbahn war das Abenteuer mit den großen Ballonen in Chambley bei Metz, wo sich mehr als 400 Ballone am Himmel tummelten. Und ein Ziel hat Schlegel noch. Er will einmal am Gordon-Bennett-Rennen, dem ältesten Ballonrennen der Welt, teilnehmen. Doch jetzt hat der 37-Jährige erst einmal am Wochenende ein Ziel vor Augen: beim GermanCup gut abzuschneiden. Er hofft, dass er seine Lokalkenntnis ausnutzen kann. Heute, bei der ersten Wettfahrt, wird ein SWR-Fernsehteam mit in seinem Ballon sein.

Quelle: http://pz-news.de (22.09.2017)


Dolmetscherin liegt Politikern im Ohr

Dolmetscher prägen die internationale Politik. Das wird kürzlich beim G20-Gipfel der Regierungschefs in Hamburg wieder einmal deutlich. Setzen sich Angela Merkel, Donald Trump und Wladimir Putin zum gemeinsamen Abendessen an den Tisch, kauern hinter ihnen Übersetzer und flüstern ins Ohr, was der Nebenmann gerade anspricht. Die Dolmetscherin Andrea Sihn-Klasema aus Niefern weiß um die Bedeutung der Übersetzerriegen in der Politik. Seit über 20 Jahren arbeitet sie freiberuflich fürs Europäische Parlament in Straßburg. Und sie ist unter anderem fünf Jahre bei der EU-Kommission in Brüssel gewesen.
Sie kennt die Geschichten, dass Krisen entstehen können, wenn der richtige Dolmetscher fehlt. Das bekommt in Hamburg der US-Präsident zu spüren: Als sich Trump mit Putin zu einem Geheimgespräch zurückzieht, ist nur ein russischer Dolmetscher dabei. Der amerikanische Übersetzer ist in der Nähe, kann aber nur japanisch. Hinterher ist umstritten, was Trump mit Putin genau abgesprochen hat.

Gute Fitness ist wichtig

Der Beruf greift ins internationale Geschehen ein. Er verlangt Sihn-Klasema viel ab. „Die korrekte Sprachübertragung erfordert hohe Konzentration“, sagt die 48-jährige Niefernerin, Tochter des Rundfunk- und Antennentechnikpioniers Frank Sihn (Firma Wisi). „Denn Dolmetscher sind keine Papageien, die nur das nachplappern, was sie hören“, sagt sie. Sie müsse sich richtig fit halten: „in der Mutter- wie auch in meinen Arbeitssprachen.“ Sie übersetzt aus dem Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen und Griechischen ins Deutsche sowie aus dem Deutschen ins Französische – fünf Passivsprachen, eine Aktivsprache. Jede Sitzung will gut vorbereitet sein: „Je besser man sich bei einem Thema auskennt, desto besser ist auch die Leistung.“ Dolmetscher müssen immer aktuell informiert sein – „nicht nur über das deutsche Geschehen, sondern auch über das, was in den Ländern meiner Arbeitssprachen aktuell ist“, sagt sie. Und Dolmetscher müssen verschwiegen sein.
Für Andrea Sihn-Klasema steht der Beruf lange vor dem Abitur am Kepler-Gymnasium in Pforzheim fest: „Schon als ich in der siebten Klasse Französisch lernte, war mir klar, dass ich Dolmetscherin werden wollte.“ Was der Beruf konkret beinhaltet, ist ihr damals noch nicht klar. Sie studiert an der Universität Heidelberg Französisch und Italienisch und hängt nach dem Diplom als Dolmetscherin ein Semester Englisch an.
Sie geht zur Europäischen Union: „Von 1995 bis 2000 war ich zuerst Bedienstete, dann Beamtin bei der Kommission in Brüssel.“ In diesen fünf Jahren lernt sie auch Griechisch. Danach macht sie als freiberufliche Konferenzdolmetscherin weiter – vor allem für das Europäische Parlament, den Europarat und die EU-Kommission.
Sie eignet sich Tempo und Routine an. Aber was ist, wenn sie merkt, dass sich der Redner verspricht? „Ich füge hinzu, dass er es so sagte.“ Manche Wörter hören sich gleich an, bedeuten aber in den Sprachen etwas ganz anderes. Was bei uns prägnant ist, klingt wie das englische pregnant, heißt jedoch schwanger. Sticky fingers seien auf Englisch erstmal „klebrige Finger, meinen in Großbritannien aber Langfinger oder Diebe“, sagt Sihn-Klasema schmunzelnd.
Und dann ist da auch noch eine gute Stimme nötig. Jürgen Stähle, mit seiner tiefen Stimme oft im ZDF-Sportfernsehen zu hören, hat es ihr besonders angetan. Stähles Übersetzungen seien top: „Wie er längere Sätze von Fußballern kurzerhand zusammenfasst, ist klasse.“ Die Kunst eines Dolmetschers eben. Keine Papageien, die etwas nachplappern.

Quelle: PZ vom 12.08.2017, S.33