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„Retten macht Schule“ –

Am 15. Dezember übergab die Björn Steiger Stiftung mit Unterstützung des Lions Club Pforzheim Johannes Reuchlin und des LEO Club Pforzheim Goldstadt am Pforzheimer Kepler-Gymnasium ihr „Retten macht Schule“-Paket sowie einen sogenannten Laien-Defibrillator. Mit dem Übungsmaterial werden Lehrer und Schüler darin ausgebildet, wie sie im Falle eines Herzinfarktes oder plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstandes
lebensrettende Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten können, bis Notarzt oder Rettungsdienst eintreffen. Ermöglicht wurde das Projekt durch Spenden von Pforzheimer Lions und LEOs sowie von ehemaligen Absolventen.


Im Flur der Schule liegt eine bewusstlose Person. Was ist jetzt zu tun? Losrennen und Hilfe holen, den Notruf wählen? Oder doch lieber selbst helfen? Und wenn ja, was davon kommt zuerst? Eine Situation, die man nicht erleben möchte und die dennoch leider nicht unwahrscheinlich ist. Denn nach wie vor gehört der plötzliche Herztod zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland – über 100.000 Menschen sterben daran jedes Jahr. Häufig,
weil ihnen entweder zu spät oder gar nicht geholfen wird, aus Unsicherheit oder der Angst, etwas falsch zu machen.

Dabei kommt es gerade auf die ersten Minuten an. Denn das Zeitfenster beträgt nur drei bis fünf Minuten, bis das Gehirn ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr irreparabel geschädigt Denn das Zeitfenster beträgt nur drei bis werden kann. Da der Rettungsdienst im Schnitt rund acht bis zwölf Minuten benötigt, kommt es also auf die Ersthilfe vor Ort an. Wenn sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen wird, liegen die Überlebenschancen des Patienten bei über 50 Prozent. Mit jeder Minute, in der nichts unternommen wird, sinken sie hingegen jeweils um 10 Prozent.

Entwickelt für Ersthelfer ohne medizinische Vorkenntnisse
Damit auch Schüler im Notfall wissen, was zu tun ist, hat die Björn Steiger Stiftung 2009 die Initiative „Retten macht Schule“ aus der Taufe gehoben, für die die Pakete entwickelt wurden. Sie enthalten je einen Übungs-Defibrillator, einen echten Defibrillator, Schulungsmaterial sowie 15 Übungspuppen. Zunächst wird das Lehrerkollegium von einem Dozenten der Stiftung geschult. Die Schulung ist jedoch so angelegt, dass die Lehrkräfte anschließend die erlernten Handgriffe selbstständig an ihre Schüler weitergeben können.

Schon ab einem Alter von zwölf Jahren können auch Jugendliche den Automatisierten Externen Defibrillator (kurz AED) sicher und gefahrlos bedienen und damit auch Erwachsenen das Leben retten. Das Gerät ist speziell für Ersthelfer ohne medizinische Vorkenntnisse konzipiert worden. Es misst alle zwei Minuten automatisch die Herzfrequenz und führt die Helfer mithilfe von Abbildungen und per Sprachfunktion durch die Wiederbelebungsmaßnahme.

Künftig werden nun am Kepler-Gymnasium Schüler ab Klassenstufe 8 in Biologie in Ersthilfe und in der richtigen Anwendung des AED-Gerätes ausgebildet. Möglich gemacht haben dies der Lions Club Pforzheim Johannes Reuchlin, seine Jugendorganisation, die LEOs Pforzheim Goldstadt, sowie der Förderverein des Kepler-Gymnasiums, die sich die Finanzierung des Paktes geteilt haben. Past-Distrikt-Governor Thomas Paulus vom Lions Club konnte mit Hans-Joachim Hägele außerdem noch einen privaten Spender gewinnen, der ein Viertel der Kosten
übernommen hat. Der besondere Hintergrund in diesem Fall: Hägele hat einst selbst das Kepler-Gymnasium absolviert.

„Retten macht Schule“ in Pforzheim
„Das ist eine Spende, die Leben rettet!“, sagte Schulleiterin Heike Reifurth bei der Übergabe. „Die Schulgemeinschaft des Kepler-Gymnasiums bedankt sich bei den Lions und den Leos, die dieses Projekt initiiert und gefördert haben. Ein weiterer Dank geht auch an unseren Förderverein und an den ehemaligen Keplerianer Herrn Hans-Joachim Hägele. Natürlich hoffe ich, dass der Defibrillator nie zum Einsatz kommen muss. Aber ich bin froh, dass unsere Schülerschaft und das Kollegium nun gerüstet sind und im Notfall sofort helfen können.“ Seitdem die ersten AED-Geräte 1977 auf den Markt kamen, setzt sich die Björn Steiger Stiftung für die flächendeckende Verbreitung dieser Defibrillatoren ein, die überall im öffentlichen Raum so selbstverständlich sein sollten wie Feuerlöscher. Die Stiftung fordert, dass Wiederbelebungsunterricht bundesweit an allen Schulen spätestens ab der 7. Klasse Pflicht wird, so wie es der Deutsche Rat für Wiederbelebung in seiner Petition #ichrettedeinleben formuliert hat. Über 60.000 Unterschriften sind dafür bereits zusammengekommen. 

Björn Steiger Stiftung
Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde, bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall und dem Frühgeborenentransport.

Mehr Informationen zur Björn Steiger-Stiftung erhalten Sie hier